Biografie des Gründers


Franz Freiherr von Wertheim (1814-1883)


Franz Wertheim wurde als Sohn einer wenig begüterten Kaufmannsfamilie am 12. April 1814 in Krems an der Donau geboren. Nach seiner Schul- und Lehrzeit vervollständigte er sein technisches Wissen mit Reisen nach Deutschland, Frankreich und England. Nach seiner Rückkehr handelte er mit Werkzeugen um sie bald selbst zu erzeugen. Durch Verwendung des vorzüglichen steirischen Stahls erreichte er international angesehene Qualität. Im Jahre 1845 erzielte er anlässlich einer Gewerbe- und Produkteausstellung den ersten Preis mit seiner Mustersammlung, die dem "Technologischen Cabinet des Polytechnischen Instituts" einverleibt wurde.

1847 trat Franz Wertheim als Gesellschafter in die Papierfabrik seines Schwiegervaters ein. Auf seine Anregung hin wurde das Sortiment um Bunt-, Gelatine- und Zigarettenpapier erweitert, was ein weites Absatzgebiet bis in den Orient zur Folge hatte.

Den Gedanken, Kassen aus Eisen zu erzeugen, fasste Wertheim nachdem ihn 1848 6000 Gulden aus einer gewöhnlichen Eisentruhe gestohlen wurden. Schon 1852 nahm er, als erster in der Habsburger-Monarchie, die Erzeugung von einbruchsicheren und feuerfesten Kassen mit 80 Arbeitern auf. Eine Reihe von Patenten und Erfindungen zeichneten seinen Betrieb aus und brachten internationale Erfolge.
Wertheim war eine Persönlichkeit, die ihren Dienst dem gesamten österreichischen Gewerbe zur Verfügung stellte. In seinem Betrieb gab es keine "Arbeiterprobleme", er betonte immer, dass seine Ideen ohne seine Mitarbeiter nicht umzusetzen wären. Er galt als Pionier des "neuzeitigen Werbewesens". Alles und Jedes war ihm recht, wenn es nur die Aufmerksamkeit der Umwelt auf ihn und seine Erzeugnisse lenkte. Er förderte auch die Künstlerschaft durch wohlbezahlte Aufträge und errichtete 1872 in seinem Palais ein kleines Theater.

Er genoss hohe Wertschätzung bei der großen Masse und am Hof. 1869 durfte er Kaiser Franz Josef I. zur Eröffnung des Suez-Kanals, als dessen persönlicher industrieller Experte begleiten. Außerdem war Wertheim Abgeordneter des Niederösterreichischen Landtag, Gemeinderat von Wien, Vizepräsident der Wiener Handels- und Gewerbekammer, Präsident des Niederösterreichischen Gewerbevereins und Kurator des Österreichischen Museums für Kunst und Industrie.
Die Weiterentwicklung der Widerstandsfähigkeit seiner "Stahl-Panzerkassen" und die Produktion eigener Sicherheitsschlösser führten ihn zu einer Reihe von Ausstellungen. 1873 Weltausstellung in Wien, 1877 Internationale Ausstellung in Kapstadt, 1878 Weltausstellung in Paris und 1879 Weltausstellung in Sydney.

Wertheim hat im Interesse des österreichischen Gewerbes eine große Auslandsreise unternommen. Schon vom Tode gekennzeichnet fuhr er nach Moskau, um ein internationales Abkommen zum Schutz des gewerblichen Eigentums vorzubereiten.
Als Franz Freiherr von Wertheim am 3. April 1883 in Wien starb, besaß er neben seinen vielen Auszeichnungen und Orden den Titel eines kaiserlichen Rats und den Rang eines kaiserlichen Truchseß´; er war Ehrenbürger der Städte Krems, Scheibbs und Steyr, sowie des Marktes Neustift. Sein industrieller Besitz bestand aus den Werkzeugfabriken in Krems und in Neuberg bei Scheibbs, aus den Sensenwerken Himmelau und Wasserleit sowie aus seiner Wiener Kassenfabrik.